Read Die Rechtschreibreform (1996/1998) in Pressetexten: Eine kritische Analyse der Agentur-Orthographie und ihrer Umsetzung in der Frankfurter Allgemeinen ... Studien zur Linguistik /Germanistik, Band 39) by Ralf Osterwinter Online

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Seit August 1999 stellen die deutschsprachigen Nachrichtenagenturen ihr Textangebot in reformierter Rechtschreibung zur Verf gung Zu den Presseorganen, die der Umstellung seinerzeit nur widerstrebend gefolgt waren, geh rte die Frankfurter Allgemeine Zeitung FAZ Nur ein Jahr sp ter kehrte das renommierte Blatt zur abgel sten Dudennorm zur ck, mit der Begr ndung, dass durch die Neuregelung die Einheitlichkeit der deutschen Schriftsprache zerst rt und wesentliche schriftsprachliche Differenzierungsmittel beseitigt worden seien.Die Studie analysiert aus linguistischer Sicht die Fundiertheit und Ad quatheit der Presse Hausschreibung, die unter Federf hrung der dpa erarbeitet worden ist Dabei gilt das besondere Augenmerk zum einen den Festlegungen, die zum Umgang mit der reforminduziert vermehrten graphematischen Variabilit t getroffen worden sind, zum anderen den Fallgruppen, die explizit entgegen der schulamtlichen Norm reguliert worden sind.Der anschlie ende empirische Teil untersucht auf der Basis eines repr sentativen Auswahlkorpus die exakt einj hrige Periode der Umsetzung dieser Agenturorthographie durch die FAZ Redaktion, gibt Aufschluss ber den Praktikabilit tsgrad der dpa Hausschreibung und kl rt die Frage, ob die ffentlichkeitswirksame R ckumstellung durch die Erfahrungen der Anwendungsphase hinreichend plausibel und legitim erscheint....

Title : Die Rechtschreibreform (1996/1998) in Pressetexten: Eine kritische Analyse der Agentur-Orthographie und ihrer Umsetzung in der Frankfurter Allgemeinen ... Studien zur Linguistik /Germanistik, Band 39)
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ISBN : 3825358704
ISBN13 : 978-3825358709
Format Type : Hardback
Language : Deutsch
Publisher : Universit tsverlag Winter GmbH Heidelberg Auflage 1 1 Juli 2011
Number of Pages : 462 Pages
File Size : 692 KB
Status : Available For Download
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Die Rechtschreibreform (1996/1998) in Pressetexten: Eine kritische Analyse der Agentur-Orthographie und ihrer Umsetzung in der Frankfurter Allgemeinen ... Studien zur Linguistik /Germanistik, Band 39) Reviews

  • Theodor Ickler
    2019-03-23 19:39

    Im Vorwort bedankt sich der Verfasser, der während der Anfertigung dieser Dissertation Duden-Mitarbeiter war, bei seinem Chef Matthias Wermke sowie bei seinem Doktorvater Peter Gallmann. Damit ist die Parteilichkeit zugunsten der Rechtschreibreform bereits angedeutet. In der Zusammenfassung findet man folgende Aussage: "Die Attitüde, dass mit der Orthographiereform 'etwas völlig Überflüssiges durchgesetzt wurde', spiegelt die Verabsolutierung der Interessen hochgebildeter Vielleser bei gleichzeitiger Hintantstellung respektive Geringschätzung der nicht minder legitimen Bedürfnisse von Lernenden und Schreibenden wider." (324)Das ist mit der Behauptung der Überflüssigkeit dieser Reform zwar keineswegs notwendig verbunden, aber Osterwinter offenbart hier sehr deutlich die Froschperspektive, aus der er die Rechtschreibung beurteilt.Die Frage, wie die FAZ vor zwölf Jahren die damals von den Nachrichtenagenturen vereinbarte Orthographie umsetzte, ist nur von mäßigem Interesse. Die Reform selbst ist dem Verfasser durch die mindestens zwei Revisionen in unvorhersehbarer Weise davongeschwemmt worden, so daß die Themenstellung noch weiter ins allenfalls historisch Interessante entrückt ist und das jetzt vorliegende Werk kaum noch irgendeinen Leser finden dürfte.Der Verfasser redet oft von zulässigen und unzulässigen Schreibweisen, ohne hinzuzufügen, daß dies nur im Hinblick auf die Schule Sinn hat. Die Agenturen und einzelne Zeitungen können ja schreiben, wie sie es für richtig halten.Osterwinter geht nicht auf die Hintergründe bei den Agenturen ein. Er erwähnt zwar Albrecht Nürnberger, der bei dpa für die Ausarbeitung zuständig war - und mir gegenüber seinen Verdruß an der ganzen Sache artikuliert hat-, scheint aber nicht bemerkt zu haben, daß die scheinbare Zwangslage der Zeitungen angesichts der Agenturvorgaben etwas Paradoxes hatte, weil die federführende Deutsche Presse-Agentur ja den Zeitungsverlegern gehört. Wie ich gezeigt habe, berief sich die eine Seite auf die Vorgaben der anderen und umgekehrt. Die Modalitäten der Reformdurchsetzung gehen aus meinen Büchern klarer hervor als aus dieser Spezialuntersuchung.Osterwinter erwähnt mich an mehreren Stellen, teilweise mit dem üblichen Zusatz, ich argumentierte "polemisch" - was zutrifft und, da ich die Reform von Anfang an bekämpfte und mich aus keinem anderen Grund damit beschäftigte, auch nicht weiter verwunderlich sein sollte. Immerhin erkennt er stellenweise die sachliche Berechtigung meiner Einwände an, gibt ihnen allerdings nur zögernd nach. Man vergleiche seine Bemerkungen über "Recht haben", wo ich seiner Ansicht nach mit Recht syntaktische Bedenken habe, die er aber offenbar für nicht so wichtig hält. An zahlreichen Stellen zitiert er meine Ergebnisse und übernimmt sie einfach, natürlich ohne ausdrückliches Lob, das weder im Hause Duden noch bei Gallmann auf große Begeisterung stoßen würde. (Schon gar nicht bei Sitta, über den auch kein kritisches Wort fällt.)Ich hatte in meinem Büchlein "Falsch ist richtig" geschrieben: "Ohne die Bereitschaft der Presse, die Rechtschreibreform umzusetzen, wäre das ganze Unternehmen zweifellos gescheitert, denn es ist nicht denkbar, in den Schulen eine veränderte Rechtschreibung zu unterrichten, wenn die wichtigste Textsorte des Alltags sich dauerhaft dagegen sperrt." Hierzu glaubt Osterwinter in einer Fußnote anmerken zu müssen: "Presse- bzw. Zeitungstexte lassen sich ob ihrer Vielfalt (Berichte, Kommentar, Reportagen, Interviews ...) gewiss nicht pauschal unter einer Textsorte subsumieren." (24) " Nun, das weiß ich auch und habe mehrmals darüber veröffentlicht, z. B. in Kap. 5 meines Buches "Die Disziplinierung der Sprache". Aber in einem populären Sachbuch war ich nicht gehalten, einen definierten Textsortenbegriff anzuwenden."ICKLER weist zu Recht, wenngleich nicht ohne Pedanterie, auf die fehlende Präzision in der Darstellung hin: 'In essenziell bleibt das z nicht erhalten, denn es war nie vorhanden, da essentiell nicht von Essenz abgeleitet ist; entsprechend bei den übrigen Wörtern...'" (35)Aber das ist nicht pedantisch, sondern betrifft den Kern der ganzen Geschichte!So könnte man fortfahren, das Buch zu zerpflücken, aber was soll's? Die Zeit ist ohnehin darüber hinweggegangen.Insgesamt kommt Osterwinter zu dem gleichen Ergebnis wie ich, daß die Agenturschreibung ohne hinreichende Fachkenntnis ausgearbeitet worden sei. Die "Verstöße" der FAZ gegen die Reformschreibung halten sich in engen Grenzen. (325) Auf die zwar geringfügige, aber doch deutlich wahrnehmbare Verschlechterung der Qualität aller umgestellten Zeitungen, auch der FAZ, geht er nicht ein. Daß auch objektiv schlechte und sogar grammatisch falsche Schreibungen "verständlich" bleiben, hatten wir nie bezweifelt: "Verständnisprobleme für Lesende treten durch die neuen syntaktischen Fügungen bzw. Binnengroßschreibungen so gut wie nicht auf, da der jeweilige syntaktische Kontext für hinreichende Eindeutigkeit sorgt." (327) Wie gesagt: Froschperspektive.Am Ende des Buches gibt es zwar Wörterlisten, aber ohne die Angabe der Stellen, an denen die fraglichen Schreibweisen behandelt sind. Zum Nachschlagen ist das Buch daher nicht geeignet.