Read Der eiserne Pfad. Roman by Aharon Appelfeld Online

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Ein w rdiger Nachfolger Kafkas New York Times Book Review.Jahr f r Jahr f hrt der Antiquit tenh ndler Erwin Siegelbaum nach sterreich, um kostbare j dische Handschriften aufzusp ren Doch das ist nicht sein einziges Ziel Er ist auf der Suche nach dem SS Schergen, der seine Eltern ermordet hat Er findet den Mann, und begegnet noch einmal, in einem Moment lang erwarteter Vergeltung, seiner Vergangenheit....

Title : Der eiserne Pfad. Roman
Author :
Rating :
ISBN : 3499241463
ISBN13 : 978-3499241468
Format Type : Hardcover
Language : Deutsch
Publisher : Rowohlt Taschenbuch Auflage 1 1 Februar 2006
Number of Pages : 208 Seiten
File Size : 665 KB
Status : Available For Download
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Der eiserne Pfad. Roman Reviews

  • Stefan Erlemann
    2018-12-13 17:31

    Am 27. März eines jeden Jahres beginnt die Reise von Erwin Siegelbaum. Unzählige Stationen liegen auf seiner Reise in den Norden und wieder zurück. Doch nur zweiundzwanzig Orte sind ihm wichtig.Er besteigt um sieben Uhr morgens den Frühzug in Wirbelbahn, wo er zwei Wochen zuvor eintraf. Dort wurde er vor 40 Jahren aus einem Wagon befreit. Nach drei Stunden hält der Zug in Prachtdorf. Hier lernte er Bella kennen und lieben, verließ sie aber nach wenigen Tagen und kehrte nicht wieder zu ihr zurück. Obwohl nie wieder ein Mensch ihn so genau kannte wie Bella, konnte er ihr Schweigen nicht ertragen. Wenig später erreicht er Herben. Marcello holt ihn am Bahnhof ab und fährt ihn in ein Hotel. Einzig das Bad dort lässt ihn jedes Jahr am fünften April um halb vier Uhr nachmittags in das Taxi von Marcello steigen. Doch die Erinnerungen an seine Mutter lassen ihn nach einem Tag weiter reisen. Einmal blieb er länger, doch diesen Fehler begeht er nie mehr. Er flieht vor dieser fernen Vergangenheit nach Salzstein. Zwei Stunden kehrt er bei Gysi ein, ehe er weiter reist. In Hohensalzstein besucht er am ersten Mai den Genossen Stark. Nach zwei Tagen in der einsamen Berghütte ist die Vergangenheit wieder lebendig. Doch länger ist sie nicht zu ertragen und Siegelbaum reist weiter. Stark begleitet ihn zur Tür und Siegelbaum ist sich gewiss, dass es das letzte Mal sein wird. Stark ist alt geworden. Ich muss meine Aufgabe erfüllen, ich muss Nachtigel, den Mörder finden, sagt Siegelbaum wie jedes Jahr zu Stark, ehe er geht.Immer mehr Orte, die früher Gelegenheit zum Halt boten, sagen Siegelbaum nichts mehr. Die Menschen, die den Aufenthalt lohnten, leben nicht mehr oder haben erfahren, dass er Jude ist, und sind nicht mehr dieselben. Auch in Grünfeld bleibt er im Zug und fährt weiter nach Pracht. Nur dort verlassen ihn seine Alpträume und sein Körper hört auf zu rebellieren. Dort lebt irgendwo verborgen durch die Weite der Landschaft und das Vergessen der Menschen der Mörder seiner Eltern. Dort wird er Nachtigel finden.Auf zwei Ebenen hat Aharon Appelfeld seinen Roman komponiert. Vordergründig erzählt er in einem wundervoll einfachen, sehr eindringlichen Stil die Geschichte eines Holocaust-Opfers, das mit seinem Leben nach dem Untergang allen Menschlichens nichts mehr anzufangen weiß. Er flieht. Von einem Ort zum nächsten, immer auf der Reise, nie anlangend, nie verweilend, immer das Vergessen vor sich und die Erinnerung hinter sich. Vordergründig ist er auf der Suche nach dem Mörder seiner Eltern und flieht doch 40 Jahre lang vor ihm und seinesgleichen. Dies gelingt Appelfeld perfekt. Er nimmt den Leser mit auf diese Reise. Durch die Landschaft und ins Innere eines Juden, der sein Judentum nicht wahrhaben will und es nach außen hin verleugnet.Grandiose Sätze formen ein tristes und melancholisches Bild. Und zugleich das Bild eines wahren Menschen, der Frieden und Wärme sucht und sie doch immer nur für wenige Stunden in wahrer Vollkommenheit spürt, ehe die Vergangenheit und die Gegenwart ihn wieder einholen.Diese Ebene ist ein Meisterwerk und sehr lesenswert. Als Deutscher, der erst 1964 geboren wurde und der den Holocaust aus Büchern, der Schule und vielen Zeitungen aus zweiter und dritter Hand dargereicht bekam, ist diese Ebene des Romans ergreifend und wahrhaftig, führt zu einer geringeren Distanz zu den Opfern als zuvor und vermittelt dieses Einzelschicksal auf das härteste.Die zweite Ebene ist die Geschichte eines Volkes, das vernichtet werden sollte, vom Schafott heruntergeholt und im Regen stehen gelassen wird. Allein mit sich und der erdrückenden Vergangenheit. Allein unter Menschen, die eine andere Gegenwart mit ihm teilen, eine andere Zukunft erhoffen können und mit denen er nicht kommunizieren kann. Die Geschichte eines Volkes, das niemand haben will, dem es nicht zur Ehre gereicht, dass es "davongekommen" ist, sondern dem manche, wenn gar nicht alle es übel zu nehmen scheinen, dass es so weiterleben kann.Die Ebene der Diaspora, der Existenz in der Fremde, der geografischen Fremde und der inneren Fremde ist um so eindringlicher und krasser, je stärker Appelfeld sie nicht thematisiert. Seine wahre Kunst besteht darin, dass er diese Ebene, wie von einem gewaltigen Blitz erhellt, aus ihrem Schatten heraus darzustellen vermag. Seine für mich tiefgreifende Erschütterung legt er offen, indem er die Umgebung, die Menschen ringsumher, als Spiegel verwendet. Indem uns Appelfeld diesen Spiegel zeigt, in all seiner Härte und all seiner Erbarmungslosigkeit, gelingt es ihm, den inneren Holocaust eines ganzen Volkes offen zu legen.Ich als Nicht-Jude, als Atheist und Deutscher bin zutiefst beeindruckt von der Fähigkeit Appelfelds, eine literarische Ausdrucksform gefunden zu haben, die das Schicksal eines ganzen Volkes für mich (ein Stück weit) erfahrbar macht.Dieser Roman ist keine Vergangenheitsbewältigung, sondern ein Mahnmal wider das Vergessen. Insofern sei er jedem Menschen ans Herz gelegt, der erinnert werden will.

  • None
    2018-11-27 10:48

    Aharon Appelfelds Roman ‚Der eiserne Pfad' gehört nicht zu den Büchern, die den Holocaust beschreiben, sondern sich mit den Problemen eines verstörten Überlebenden befassen.Erwin Siegelbaum wird als Kind Zeuge, wie beide Eltern im Konzentrationslager vom SS-Schergen Oberstleutnant Nachtigel ermordet werden. Er selbst entkommt.In vierzig Jahren gelingt es ihm nicht, das Erlebte auch nur ansatzweise zu verdrängen oder gar zu verarbeiten. Sein ganzes Leben besteht darin, sich immer nur kurzfristige Erinnerungspausen zu verschaffen. So muss er ständig rastlos unterwegs sein. Einen festen Wohnsitz hat er nicht. Linderung verschafft ihm nur das Rollen des Zuges, einige billige Pensionen und verschiedene Bahnhofsgaststätten, in die er immer wieder einkehrt.Seinen Lebensunterhalt bestreitet er dadurch, dass er in den immer gleichen Orten Antiquitäten auf Märkten günstig einkauft und sie wenigen wohlwollenden Kunden wieder verkauft.An jeder Gaststätte, an jedem Hotel, welche er schon seit Jahren immer wieder zur selben Jahreszeit anfährt, hängt eine besondere Person mit einer kleinen Geschichte. Obwohl nicht immer tragisch, sondern beispielsweise wegen ihres hohen Alters, kommen viele dieser Personen nach und nach abhanden, was das Leben des Helden weiter trostloser werden lässt.Die große Katastrophe kommt, als der Nazimörder Nachtigel, der inzwischen ein alter Mann ist, auf der Flucht vor dem Gesetz aus Uruguay in seine Heimat zurückkehrt. Dieser kleine österreichische Ort liegt auf der immer wieder abgefahrenen Route Siegelbaums. Er plant Nachtigel zu ermorden und erschießt ihn.Die Schwäche des Buches liegt darin, dass es mit dieser Tat zu Ende ist. Es bleibt offen, wie oder ob überhaupt, das Leben des Erwin Siegelbaum weitergeht. Da die Rache eines Opfers in der Holocaustliteratur eine Seltenheit ist, wäre es für den Leser interessant, wenn die Beweggründe genauer beschrieben würden. Auch die Auswirkungen der Tat auf das Seelenleben des zum Täter gewordenen ursprünglichen Opfers verlangen nach einer Beschreibung.

  • Corinna Kanthak
    2018-11-27 15:45

    Dieser Zug, in den Appelfeld seinen Romanhelden Erwin Siegelbaum gesetzt hat, ist ein Bummelzug, der im Kreis herumfährt; selbst als die Fahrt beendet und die Mordtat vollbracht ist, steigen wir nicht gestärkt aus dem Zug aus, nein wir bleiben im Gepächwagen sitzen.Es hätte einen Sinn gemacht, über das Leben nach der Tat an dem SS-Schergen Nachtigel zu berichten, wie geht es mit Siegelbaum weiter, trifft er Bertha wieder, wandert er aus oder lässt er sich irgendwo endgültig nieder. Es werden in diesem Buch keine Fragen gestellt und auch keine Antworten gegeben, einziger Neuansatz wäre der Rachegedanke, der aber nicht zu Ende gedacht worden ist. Schade, eín Buch, das ich nur Leuten, die sich auf relativ hohem Niveau langweilen wollen, empfehlen kann.