Read 1918: Die Stunden des Untergangs by Johannes Sachslehner Online

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Der Untergang sterreich Ungarns im Spiegel eines einzigen Tages Johannes Sachslehner schildert 24 verh ngnisvolle Stunden, in denen der Wahnsinn des Krieges seinen abschlie enden H hepunkt erreicht, der Zusammenbruch des Habsburgerreiches unumst liche Gewissheit wird 24 chaotische Stunden, in denen Heldenmut und feiger Verrat, Zaudern und entschlossenes Handeln, Gleichg ltigkeit und selbstlose Hilfsbereitschaft aufeinandertreffen und miteinander in Wechselwirkung treten 24 ereignisreiche Stunden, in denen das Gestern zu Ende geht und in ersten hellen Umrissen ein Morgen heraufd mmert ein von Schrecken, aber auch von Hoffnung erf lltes Niemandsland zwischen den Zeiten...

Title : 1918: Die Stunden des Untergangs
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ISBN : 9783222134357
ISBN13 : 978-3222134357
Format Type : Other Book
Language : Deutsch
Publisher : Styria Premium Auflage 1 27 Januar 2014
Number of Pages : 296 Seiten
File Size : 981 KB
Status : Available For Download
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1918: Die Stunden des Untergangs Reviews

  • Winfried Stanzick
    2018-12-09 17:05

    Ein wenig Wehmut nach verlorenem alten Glanz mag schon mitspielen, wenn der österreichische Journalist Johannes Sachslehner in einem furios und flott geschriebenen Buch, das manchmal im Zehnminutentakt erzählt, spannend wie ein Thriller aufgebaut ist, die letzten 24 Stunden des alten Reiches Österreich-Ungarn am 28. Oktober 1918 beschreibt.Der vom Verlag auf der Rückseite formulierte Text atmet die Stimmung dieses Buches, das für den deutschen Leser an manchen Stellen befremdlich, im Grunde aber sehr informativ ist, weil es eben auch einen aktuellen Eindruck vermittelt, wie maßgebende österreichische Publizisten auf die Geschichte ihres Landes schauen:„24 chaotische Stunden, in denen Heldenmut und feiger Verrat, Zaudern und entschlossenes Handeln, Gleichgültigkeit und selbstlose Hilfsbereitschaft aufeinandertreffen und miteinander in Wechselwirkung treten, 24 schicksalsschwere Stunden, in den das gestern zu Ende geht und in ersten hellen Umrissen ein Morgen heraufdämmert: ein von Schrecken, aber auch von Hoffnung erfülltes Niemandsland zwischen den Zeiten, das die Konflikte und Tragödien der Zukunft bereist erahnen lässt…“Das Buch ist schon 2005 unter dem Titel „Der Infarkt Österreich-Ungarns“ bei Pichler erschienen und wird hier aus aktuellem Anlass der 100. Wiederkehr des Beginns des Ersten Weltkriegs neu aufgelegt.

  • timediver®
    2018-12-08 17:15

    "An die Völker, auf deren Selbstbestimmung das neue Reich sich gründen wird, ergeht Mein Ruf, an demgroßen Werke durch Nationalräte mitzuwirken, die - gebildet aus den Reichsratsabgeordneten jeder Nation -die Interessen der Völker zueinander sowie im Verkehre Meiner Regierung zur Geltung bringen sollen."(Aus dem 'Völkermanifest' Karls I. vom 16. Oktober 1918)Karl I., am 21. November 1916 "ex lege" als Kaiser von Österreich, König IV. Károly/Karlo IV. von Ungarn und Kroatien und König Karel III. von Böhmen auf den Thron gekommen, war bereits mit seinem Friedensangebot vom 12. Dezember 1916 und seinem Ersuchen um einen Separatfrieden im Frühjahr 1917 ("Sixtus-Affäre") gescheitert. Der Habsburger, der am 3. Oktober 2004 von Johannes Paul II. seliggesprochen werden sollte, setzte sich von Beginn seiner Herrschaft für den Frieden ein, betrachtete jedoch den Krieg auch als gerecht, weil jener der Selbstverteidigung - vor allem - gegen Russland, Italien, Freimaurer, Sozialisten und Bolschewiken diente. Mit seinem Streben nach einem "sanften Krieg" und Separatfrieden versuchte der sogenannte "Letztkaiser und -könig" die Monarchie und seinen Thron zu retten. Sein "Völkermanifest" sollte eine Antwort auf das 14-Punkte-Programm sein, welches US-Präsident Woodrow Wilson am 8. Januar 1918 als Grundzüge einer gerechten Friedensordnung für Europa vor dem Kongress verkündet hatte. Es kam jedoch nicht nur viel zu spät, sondern führte vielmehr zu einer sich geradezu überschlagenden Beschleunigung des Zusammenbruchs des Vielvölkerstaates unter dem Doppeladler.Mit dem 28. Oktober 1918 hat Dr. Johannes Sachslehner ein Datum gewählt, an dem die historischen Ereignisse und ihre Folgen für Österreich-Ungarn wie an kaum einem anderen Tag kumulierten. Seine minutiöse Chronologie berichtet im Stunden- bis Minutentakt darüber, was sich von 00:00 Uhr bis 24:00 Uhr an einer Vielzahl von Orten in der sich rasant auflösenden Donaumonarchie ereignete. Hierbei gehören verschiedene Örtlichkeiten, Institutionen usw. in und bei Wien, an und hinter der Piave-Front, in Budapest, Agram (Zagreb), Pola (Pula), Krakau, Sarajevo, Berlin und Rom zu den meistgenannten orten, von denen wiederholt berichtet wird.Während die schneidigen, umjubelten Helden von 1914 nunmehr als trostlose Elendsgestalten und Bazillenträger, begleitet von einer brenzligen Gestankhülle aus Schlamm und Karbol durch die einst glanzvolle Metropole zogen, hatte nicht zuletzt das Manifest Karls zu Befehlsverweigerungen und Meutereien in der multinationalen Armee geführt. Deserteure hatten sich zu marodierenden Banden zusammengeschlossen, was insbesondere auf dem Balkan zu anarchischen Zuständen führte. Neben der Spanischen Grippe herrschte der Hunger. Rationierung von Lebensmitteln und Einrichtung eines Kriegswucheramtes zur Verfolgung von "Milchverschleißern", "Schleichhändlern" und anderen Volksausbeutern sollten hierbei Abhilfe schaffen. Der Rucksack wurde zu jedermanns Begleiter. Beinahe glücklich konnte sich schätzen, wem statt der ohne Fett, Eier, Zucker und Mehl zubereiteten „Mehlspeisen“ das grünlich-gelbe Maisbrot, welches so hart und schwer wie Ziegelstein gewesen war, und gemahlene Gerste mit etwas "Feigenkaffee" zur Verfügung stand. Auch "Drahtverhau", ein staubtrockenes Dörrgemüse wurde nicht verschmäht. "Ersatz" war in aller Munde und Münder.Neben Personen wie Oberleutnant Arthur Seyß-Inquart, Hauptmann Heinz Guderian, Oberleutnant Engelbert Dollfuß und Flottenkommandant Miklos Horthy, die später noch von sich reden machen werden, treten für kurze Zeit auch Menschen ins Rampenlicht, wie der "Grünzeughändler" Frantšek Kopecký in Prag. Neben einem Hinweis auf die erste Telefonverbindung zwischen Wien und Berlin die gerade an diesem Tage hergestellt wurde, erfährt der Leser so banale Dinge wie den Wetterbericht oder den Ausgang der Wiener Fußballmeisterschaft. Während das Völkermanifest auch für die jüdisch-nationalen, zionistischen Organisationen zu einem auslösenden Moment geworden war, beschränkte sich Antisemitismus nicht alleine auf deutschnationale und klerikale Kreise in den deutschsprachigen Landesteilen, sondern war auch darüber hinaus beinahe allgegenwärtig; am 21.11.1918 wird er zu einem Pogrom in Lemberg führen.In München pries der Schriftsteller Thomas Mann in seinen "Betrachtungen eines Unpolitischen" den "Krieg als Veredelung und Verfeinerung des Menschen im Angesichts des Todes". Die von Präsident Wilsons Programm genährte Hoffnungen für einem Verbleib des überwiegend von Deutschen bewohnten Sudetenlandes bei einem neu zu schaffenden "Deutschösterreich" und dessen Anschluss an das "Deutsche Reich" sollten sich als Folge des Friedensvertrages von Trianon nicht erfüllen, später jedoch zum Auftakt zu einer weitaus größeren Katastrophe werden....Dr. Sachslehner kommt auf Seite 135 zu einer bemerkenswerten Feststellung, mit der er einen wichtigen Umstand treffend charakterisiert:"Das Versagen der akademischen Elite, deren wichtigste Aufgabe es wäre, neben Fachwissen auch Kritikfähigkeit und analytisches Denken zu vermitteln, versagte Anno 1918 in gefährlicher Weise - sie wird es auch zwei Jahrzehnte später tun". Seine gigantische Recherche- und Fleißarbeit offenbart sich in einem zehnseitigen Quellen- und Literaturverzeichnis, welches eine Vielzahl von Archiven, Zeitungen, Memoiren, Erinnerung, Augenberichten, Regiments- und Divisonsgeschichten sowie literarische Darstellungen beinhalte. Zahlreiche schwarzweiße Karten, Dokumente und oftmals beklemmende Zeichnungen und Fotos sind zusätzliche Dokumente des Untergangs.5 Amazonsterne für eine mit Spannung zu lesenden Chronik eines für die europäische Geschichte bedeutenden Tages.

  • Klaus Grunenberg
    2018-12-01 14:06

    Ich habe das aktuelle Werk in Buchform vor mir liegen und bin sehr erstaunt über die Art der Berichterstattung, die der Historie des Untergangs in einer Art dramatischer, fast hektischer Essays entgegenkommt. Wir erhalten damit im Stundentakt, was sage ich, oft im Zehnminutentakt und kürzer noch Meldungen von allen Fronten dieses Geschehens. Ein Wirbelsturm der Ereignisse reißt uns Leser in den Abgrund. Ob aus Italien, aus Ungarn, aus den Grenzregionen des einstmals großen Vielvölkerstaates, aus dem Landesinnern, aus den Alpen, aus den Hauptstädten der neu entstehenden Nationen soviel Inhalte, dass einem der Kopf schwirrt.Ja, hat man das alles nicht im vorhinein schon kommen gesehen, fragt man sich oft. Und es geht weiter, immer weiter, bis zum bitteren Ende für die Doppelmonarchie mit ihrem viel zu jungen Kaiser, der völlig überrumpelt wird von der Maschinerie eines satanischen Krieges, den andere angefacht haben (er leider mittendrin). Ein Traum geht zuende, ein Traum, der sich auch wie an den Grenzen eines anderen Traumes, des ewigen Heils einer offenbarten Religion entzündet hat. Und es war und ist dies auch nur ein Traum, ein schöner zwar, aber eben philosophisch, in den Menschen liegend.Ohnmächtig werden Depeschen ausgetauscht bis hin nach Amerika in diesen letzten Stunden, während Soldaten weiter treu kämpfen oder bereits meutern. Einmal angefacht, tobt sich die Furie Krieg aus bis hin zu letzten unsinnigen Gefechten oder Hinrichtungen. Und die Möglichkeit, dass sich nun neue Nationen bilden können, sie wird in diesen Stunden genutzt. Wem würde das heute nicht einleuchten, aber damals? Damals war es ein abenteuerliches Novum (endlich ist es soweit, endlich sind wir frei!). So denkt der Mensch auch noch heute oft und gibt eine alte, aber wohl überholte Ordnung gerne auf. Die Ungarn, die Tschechen, die Kroaten, die Polen, die Slowaken, die Slowenen, die Serben, die kleineren muslimischen Regionen wie Bosnien, die Rumänen, die Bulgaren und viele mehr, die Italiener sowieso, alle sind sie auf der Suche nach einem eigenen Nationalstaat und sogar die Juden ersehenen ihn jetzt stark. Die Türken werden bald folgen.Da ist es kein Wunder, dass die Sieger dieses ersten Weltkrieges dem nachgeben und eine "neue Ordnung" errichten, die sofort in sich wieder neue Spannungen erzeugt (und wie!).Man fragt sich unwillkürlich, ob wir Menschen überhaupt etwas aus der Geschichte lernen, wenn wir nur an die darauf gefolgten Jahre dieser verwirrenden Zeit denken. Wem willl man aber die Schuld geben und kann man das überhaupt, wenn man nicht gänzlich sagen will, es ist doch alles für die Katz?Dass sich neben tragischen Geschichten der typische Humor dieser Zeit immer wieder findet, ein Geist, ein humoriger, der immer wieder - auch heute noch - besonders in Wien aufleuchten kann (nicht nur in der Kunst oder Literatur oder Musik), sondern in den Gespächen der Menschen (in jedem noch so kleinen Cafe etwa, es muss nicht das bekannteste sein, oder auf der Straße!), das entschädigt. Vielleicht haben ja unsere Österreicher soetwas wie den vielfachen Geist in sich, der Härte verschmelzen kann zu Wärme und verzeihen kann auch nach Untaten? Auf jeden Fall war ich vor etwa zwanzig Jahren einmal im Sommer mit meiner Frau in Wien, fast allein abends im Zentrum und wir bekamen sogar noch ein Hotel spätabends etwas außerhalb auf einem schönen Berg mit Weingärten.Und am nächsten Tag sind wir durch diese Stadt gewandelt und haben wirklich den alten Geist allein aus den Mauern und Gebäuden gespürt und in einer dieser katholischen Kirche standen in Nähe des Altars alte Regimentsfahnen in Bündeln zusammengeordnet und ich meinte gar, es waren noch die Spuren der Helden an ihnen, fragt mich nicht, wie mir dabei zumute war. Johannes Sachslehner ist ein mit jounalistischem Schwung ausgestatter Erzähler der alten österreichischen Mär vom möglichenWunder auf unserer armen Erde, aber wir sehen, dass Träume (auch Regierungsträume alter Adelsgeschlechter) einmal durch die Wirklichkeit aufgedeckt werden müssen. Aufklärung heißt dann das Wirken, das uns hilft. Das müssen dann auch alle anderen Mächte (oder Religionen!) auf dieser Erde wissen. Wir in Europa haben es gespürt und helfen gerne mit bei der Überwindung von Fehlern, die wir gerne "alte Zöpfe" benennen. Das gilt besonders für diejenigen Nationen oder Länder, die nicht im Mittelpunkt der Betrachtungen dieser Zeit des ersten Weltkrieges in diesem Buch stehen. Ich meine vor allem die Folgestaaten des osmanischen Reiches. Da wird auch so manches demnächst zu erforschen sein und veröffentlicht werden. Die Bedeutung Russlands aber, das wage ich zu behaupten, ist noch nicht seiner Wichtigkeit gemäß behandelt worde, auch natürlich nicht in diesem Buch, das hätte den Rahmen wohl gesprengt.